Coliving ist mehr als nur ein neuer Wohntrend – es ist eine Antwort auf die Herausforderungen moderner Großstädte mit angespannten Wohnungsmärkten und hohen Mieten. Dieses innovative Konzept verbindet die Vorteile einer eigenen Wohnung mit dem Gemeinschaftsgefühl einer Wohngemeinschaft, ergänzt durch hotelähnliche Services und flexible Mietbedingungen. Besonders unter jungen Städtern, digitalen Nomaden und Berufseinsteigern erfreut sich Coliving immer größerer Beliebtheit. In diesem Artikel wird das spannende Phänomen des Colivings vorgestellt, seine Vorzüge erläutert und auch die Herausforderungen beleuchtet, mit denen Städte und Bewohner konfrontiert sind.

Was ist Coliving? – Die neue Form gemeinschaftlichen Wohnens

Auf den ersten Blick wirkt ein Coliving-Haus wie jedes andere Wohngebäude, doch der Blick ins Innere offenbart eine ganz neue Wohnwelt: Ein Beispiel aus einem Londoner Vorort zeigt eine Eingangshalle, die an eine Mischung aus Coworking Space und gemütlicher Hotellobby erinnert, flankiert von einer beeindruckenden Anzahl von 550 Briefkästen.

Coliving wird oft als „WG 2.0“ bezeichnet. Im Gegensatz zur klassischen Wohngemeinschaft hat hier jeder Bewohner seine eigene, meist kleine, aber funktionale Wohnung – sei es ein Einzelzimmer oder eine Ein- bis Zweizimmerwohnung. Gleichzeitig gibt es großzügige Gemeinschaftsräume, die zum Austausch und zur Vernetzung einladen. Dabei sind die Gebäude häufig mit zusätzlichen Annehmlichkeiten wie Terrassen, Gärten oder Coworking Spaces ausgestattet.

Die Bewohner sind meist zwischen 25 und 35 Jahre alt, im Durchschnitt etwa 27, und kommen aus aller Welt. Die Mischung aus Einheimischen und internationalen „Experts“ schafft ein lebendiges, dynamisches Umfeld. Branchenkenner beschreiben Coliving als besonders attraktiv für vernetzte, digitale Nomaden und junge Berufseinsteiger, die Flexibilität und soziale Kontakte schätzen.

Die Vorteile von Coliving – Flexibilität, Gemeinschaft und bezahlbarer Wohnraum

Coliving bietet zahlreiche Vorteile gegenüber traditionellen Wohnformen. Ein zentraler Aspekt ist die soziale Komponente: Die gemeinschaftlichen Räume und vielfältigen Angebote fördern ein abwechslungsreiches Sozialleben. Wer abends nach Hause kommt, kann in der Lobby oder der hauseigenen Bar andere Bewohner treffen und neue Kontakte knüpfen.

„Wie jeder hier wohne ich allein, kann aber andere Leute treffen. Ich habe nicht nur Freunde gefunden, sondern auch mein Netzwerk gegründet und viele Leute kennengelernt.“

Durch das Angebot von Serviceleistungen wie Wäsche- und Reinigungsservice, Streaming-Abonnements oder Freizeitmöglichkeiten wie Billard und Pool entsteht ein wohnliches Ambiente, das an ein Hotel erinnert – ohne auf die Privatsphäre einer eigenen Wohnung zu verzichten.

Ein weiterer großer Pluspunkt sind die flexiblen Mietverträge: Mit befristeten Laufzeiten und kurzen Kündigungsfristen sprechen Coliving-Anbieter vor allem Menschen an, die beruflich oder privat mobil bleiben wollen. Anders als in klassischen WGs hat jeder Bewohner einen eigenen Mietvertrag, was Risiken wie Zahlungsausfälle oder Schäden durch Mitbewohner minimiert.

Bezahlbarkeit trotz Großstadtlage

Die Mieten für Coliving-Apartments liegen im Schnitt 20 bis 30 Prozent unter denen für herkömmliche Einzimmerwohnungen. Das liegt vor allem an der gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur und Gemeinschaftsräumen sowie an der Größe der Wohnprojekte. Gerade in Metropolen mit angespannten Wohnungsmärkten wie London, Amsterdam oder Paris ist dies ein großer Vorteil. Dort können die Preise für Einzimmerwohnungen oft bei 2200 bis 2300 Euro pro Monat liegen – für viele junge Menschen kaum bezahlbar.

Coliving in europäischen Großstädten – Wachstum und Herausforderungen

Seit seiner Einführung in Europa um 2015 hat sich Coliving vor allem in Städten mit hohen Mietpreisen und angespannten Wohnungsmarktbedingungen etabliert. Neben London und Amsterdam sind auch Rom, Paris, Berlin und Barcelona Hotspots dieses Wohntrends. Dort hat der Massentourismus die Mietpreise weiter in die Höhe getrieben, was Coliving als flexible und bezahlbare Alternative attraktiv macht.

Trotz des Wachstums bleibt Coliving in vielen Städten noch ein Randphänomen. In Brüssel beispielsweise gibt es rund 3000 Coliving-Wohnungen, was gerade einmal 0,1 bis 0,2 Prozent des gesamten Mietwohnungsbestands ausmacht. Dennoch ist das Wachstum exponentiell, und Städte wie Paris, Madrid, Mailand, Luxemburg oder auch New York beobachten die Entwicklung mit großem Interesse.

Städtische Reaktionen: Chancen und Skepsis

Die Behörden reagieren auf den neuen Wohntrend mit gemischten Gefühlen. Einerseits erkennen sie die Chancen, die Coliving für soziale Durchmischung und bezahlbaren Wohnraum bietet. Andererseits besteht die Sorge, dass Coliving – ähnlich wie Plattformen wie Airbnb – zur Gentrifizierung ganzer Viertel beitragen könnte. Befürchtet wird, dass dadurch langjährige Bewohner verdrängt werden könnten.

In einigen Städten gibt es bereits Überangebote an kurzfristigen Vermietungen, die zu einer Veränderung des Stadtbilds führen. Deshalb erwägen manche Stadtverwaltungen strengere Regulierungen und höhere Steuern für Coliving-Anbieter, um einer „Überrollung“ entgegenzuwirken.

„Wir werden oft mit Airbnb gleichgesetzt und hören, dass man ein Konzept wie Airbnb nicht wolle. Doch unsere Mieter bleiben im Schnitt 14 Monate und zahlen rund 800 Euro pro Monat. Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen.“

Zukunft des Colivings – Vielfalt und soziale Mischung

Coliving ist auf dem Vormarsch und viele Städte experimentieren mit unterschiedlichen Formen gemeinschaftlichen Wohnens. Dabei geht es nicht nur um junge Berufseinsteiger oder digitale Nomaden, sondern auch um Modelle, die eine soziale Mischung aus älteren Menschen, Studierenden, Berufseinsteigern und Geflüchteten fördern.

Die Idee dahinter ist, nicht nur Wohnraum zu schaffen, sondern auch Gemeinschaften, die gegenseitige Unterstützung und soziale Integration ermöglichen. Coliving könnte somit ein wichtiger Baustein für die Stadtentwicklung der Zukunft sein – ein Modell, das Flexibilität, Gemeinschaft und bezahlbares Wohnen vereint.

Fazit

Coliving steht für eine neue Art des Wohnens, die sich den Herausforderungen moderner Städte stellt. Es verbindet die Vorteile der Privatsphäre einer eigenen Wohnung mit der Gemeinschaft und den Services eines Hotels. Junge Menschen profitieren von bezahlbaren Mieten, flexiblen Verträgen und einem aktiven sozialen Leben.

Gleichzeitig fordert dieser Wohntrend Städte und Gesellschaft heraus, neue Wege im Umgang mit Wohnraum, sozialer Durchmischung und Stadtentwicklung zu finden. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich Coliving weiterentwickelt und welchen Platz es in den urbanen Lebenswelten einnimmt.

Coliving ist mehr als nur ein Trend – es ist ein Lebensgefühl und eine Antwort auf den Wandel unserer Städte.

Lorenz Ramseyer

Remote Work Consultant ★ lorenzramseyer.ch

Online-Termin – 15 Minuten kostenlos

Made with VideoToBlog using Co-Living: Willkommen in der WG 2.0 | ARTE Hintergrund

About Lorenz Ramseyer

Lorenz Ramseyer is a Remote Work Consultant and President of the Swiss Digital Nomads Association. He has been intensively involved with the concept of location-independent working since 2006 and today supports teams in successfully switching from the office to hybrid or remote work. Ramseyer originally trained as a teacher and later trained as an IT project manager. He holds an MAS in Social Informatics and is Managing Director of the remote work agency BERGSPITZ media. He offers strategy workshops on remote work, holds keynote speeches on the future of work and is a guest lecturer at various universities. Founder of: Agentur für Remote Work Remote Work Jobs Remote Work Skills Coliving Switzerland Digitale Nomaden Schweiz

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