Der Coliving-Trend erobert die Schweiz und formt die Wohnlandschaft neu. Was einst als experimentelles Konzept begann, hat sich mittlerweile zu einer etablierten und wachsenden Wohnform entwickelt, die zunehmend Schweizer Wohnungssuchende anspricht. Basierend auf dem aktuellen Coliving-Report 2025 (Art of CO) beleuchten wir die Entwicklung und Auswirkungen dieser gemeinschaftlichen Wohnform auf den Schweizer Immobilienmarkt und die Gesellschaft.

Was genau ist Coliving?

Coliving bezeichnet professionell verwaltete Wohnkonzepte mit flexiblen Mietverträgen und gemeinschaftlichen Annehmlichkeiten. Im Kern geht es darum, dass Menschen gemeinsam in einem Raum oder einer Immobilie leben, wobei sie nicht nur physische Räume teilen, sondern auch an sozialen Aktivitäten teilnehmen und Ressourcen gemeinsam nutzen. Anders als bei traditionellen WGs bietet Coliving meist vollmöblierte Wohnräume mit mehr Privatsphäre und zusätzlichen Services wie Reinigung, WLAN und organisierten Gemeinschaftsevents.

Die Schweizer Coliving-Landschaft

In den letzten Jahren hat sich die Coliving-Szene in der Schweiz beeindruckend entwickelt. Unternehmen wie TomoDomo haben dieses Konzept erfolgreich für den Schweizer Markt adaptiert. Nach einem Auslandsaufenthalt in San Francisco brachte Gründer Johannes Peter das Coliving-Konzept in die Schweiz – mit bemerkenswertem Erfolg. Heute betreibt TomoDomo fünf Coliving-Standorte im Land, mit weiteren Expansionsplänen, unter anderem in St. Gallen.

Neben urbanen Angeboten entstehen auch spezialisierte Standorte wie das Swiss Alps Coliving in Liddes, das insbesondere Digital Nomads und Outdoor-Enthusiasten anspricht. Dieses mittelgroße Coliving-Haus bietet neben Unterkünften auch eine großzügige Küche, Bar, einen Arbeitsbereich und sogar einen gemütlichen Lagerfeuerplatz.

Treibende Faktoren für den Coliving-Boom

Wohnungsknappheit und steigende Mietpreise

Eine der Hauptursachen für den Coliving-Aufschwung ist die zunehmende Wohnungsknappheit in der Schweiz. Eine Raiffeisen-Studie zeigt, dass der Leerstand von 1,54% auf 1,31% gesunken ist und bis 2024 voraussichtlich unter 1% fallen wird. Diese angespannte Lage treibt die Mietpreise in die Höhe und macht alternative Wohnkonzepte attraktiver.

Ineffiziente Wohnraumnutzung

Ein weiterer Faktor ist die ineffiziente Nutzung bestehender Wohnflächen. Im Kanton Zürich beispielsweise wird in jedem siebten Einfamilienhaus nur von einer Person gewohnt, und in der Gemeinde Erlenbach sind sogar 83% der Einfamilienhäuser unterbelegt. Diese Diskrepanz zwischen verfügbarem Raum und tatsächlicher Nutzung macht umdenken erforderlich.

Steigendes Bedürfnis nach Gemeinschaft

Besonders seit der Pandemie suchen viele Menschen wieder verstärkt nach sozialen Kontakten und Gemeinschaftserlebnissen. Coliving trifft genau diesen Nerv, indem es einen Ort bietet, wo man sich austauschen kann, aber trotzdem einen privaten Rückzugsort behält. Das Motto “zusammen leben ist besser als allein” scheint die Zeitgeistdebatte zu treffen.

Wirtschaftlicher Impact des Coliving-Trends

Etablierung als Anlageform

Coliving hat sich mittlerweile international als seriöse Asset-Klasse etabliert. Der Coliving-Report 2025 zeigt, dass 53% der befragten Betreiber ein Umsatzvolumen von über 3 Millionen Euro erreichen mit einer durchschnittlichen Rendite von 10%. Auch in der Schweiz ziehen Coliving-Projekte zunehmend Investoren an.

Neue Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze

Die Coliving-Branche generiert neue Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze. Der Report zeigt ein Wachstum der durchschnittlichen Mitarbeiterzahl um 21% im Vergleich zum Vorjahr. Schweizer Unternehmen wie TomoDomo expandieren stark und schaffen dadurch neue Beschäftigungsmöglichkeiten im Dienstleistungssektor.

Immobilienmarkt-Transformation

Coliving verändert den Schweizer Immobilienmarkt nachhaltig. Leerstehende Großwohnungen oder sogar Büroflächen werden umfunktioniert und erhalten als Coliving-Spaces eine neue Nutzung. Dies führt zu einer effizienteren Ausnutzung der vorhandenen Bausubstanz.

Gesellschaftliche Auswirkungen

Demografische Vielfalt

Die Bewohner von Coliving-Spaces in der Schweiz sind vielfältiger, als man vermuten könnte. Die Altersspanne reicht von Anfang 20 bis über 40 Jahre, und die beruflichen Hintergründe sind äußerst divers. Was sie verbindet, ist der Wunsch nach Gemeinschaft und unkompliziertem Zusammenleben.

Neue Wohnkultur

Coliving etabliert eine neue Wohnkultur, die auf Flexibilität, Gemeinschaft und Ressourcenteilung basiert. Die Bewohner teilen nicht nur physische Räume, sondern oft auch Werte wie Nachhaltigkeit, gegenseitige Unterstützung und soziale Verantwortung. Dies führt zu einer Neuinterpretation des Wohnens in der Schweiz.

Integration und Vernetzung

Besonders für Neuankömmlinge und Expats bietet Coliving einen einfachen Einstieg ins Schweizer Leben. Die gemeinschaftsorientierte Wohnform erleichtert das Knüpfen von Kontakten und fördert die Integration in die lokale Gemeinschaft.

Herausforderungen und Kritik

Kommerzialisierung und Mietpreissteigerungen

Die wachsende Popularität von Coliving führt auch zu Kritik. In Zürich beispielsweise nutzen einige Anbieter die angespannte Wohnungssituation aus, um einzelne Zimmer zu überhöhten Preisen anzubieten. Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich kritisiert: “Man kann einfach abkassieren, ohne dass jemand vor Ort sein muss – dank Schlüsselboxen nicht einmal für die Schlüsselübergabe”.

Regulatorische Unsicherheiten

Während der Coliving-Report 2025 international eine zunehmende regulatorische Akzeptanz verzeichnet, bestehen in der Schweiz noch rechtliche Grauzonen. Neue Vorschriften könnten die weitere Entwicklung des Sektors beeinflussen, ähnlich wie in den Niederlanden, wo strengere Regelungen die Vermietung an Gruppen erschweren.

Zukunftsaussichten für Coliving in der Schweiz

Weiteres Wachstum erwartet

Angesichts der anhaltenden Wohnungsknappheit und der wachsenden Nachfrage nach flexiblen Wohnlösungen wird der Coliving-Markt in der Schweiz voraussichtlich weiter wachsen. Der Coliving-Report 2025 verzeichnet global ein Wachstum der betriebenen Einheiten um 51% im Vergleich zum Vorjahr – ein Trend, der sich auch in der Schweiz abzeichnet.

Diversifizierung der Angebote

Für die Zukunft ist eine weitere Ausdifferenzierung der Coliving-Angebote zu erwarten. Neben urbanen Coliving-Spaces entstehen zunehmend auch spezialisierte Konzepte wie ländliches Coliving, Coliving für Senioren oder thematisch ausgerichtete Gemeinschaften.

Nachhaltigkeit als Treiber

Der Nachhaltigkeitsaspekt wird für Coliving in der Schweiz zunehmend wichtiger. Durch gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen und Räumen trägt Coliving zu einem geringeren ökologischen Fußabdruck bei – ein Faktor, der angesichts des Schweizer Engagements für Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Fazit: Coliving als Antwort auf Schweizer Wohnherausforderungen

Coliving hat sich in der Schweiz von einem Nischenphänomen zu einer ernstzunehmenden Alternative auf dem Wohnungsmarkt entwickelt. Es adressiert zentrale Herausforderungen wie Wohnungsknappheit, steigende Mietkosten und das Bedürfnis nach Gemeinschaft.

Während es auch kritische Stimmen gibt, zeigt der Erfolg von Anbietern wie TomoDomo, dass der Markt reif ist für innovative Wohnkonzepte. Mit einer durchschnittlichen Rendite von 10% und steigenden Belegungsraten von bis zu 93% etabliert sich Coliving zudem als attraktive Anlageklasse.

Die Schweiz mit ihrer Kombination aus urbanen Zentren und malerischen ländlichen Regionen bietet ideale Voraussetzungen für die Weiterentwicklung verschiedener Coliving-Modelle. Ob in Zürich, Basel oder in den Schweizer Alpen – Coliving wird die Schweizer Wohnlandschaft nachhaltig prägen und könnte ein wichtiger Baustein zur Lösung der Wohnraumherausforderungen werden.

Coliving in der Schweiz: Eine Wohnrevolution in vollem Gange

Der Coliving-Trend erobert die Schweiz und formt die Wohnlandschaft neu. Was einst als experimentelles Konzept begann, hat sich mittlerweile zu einer etablierten und wachsenden Wohnform entwickelt, die zunehmend Schweizer Wohnungssuchende anspricht. Basierend auf dem aktuellen Coliving-Report 2025 beleuchten wir die Entwicklung und Auswirkungen dieser gemeinschaftlichen Wohnform auf den Schweizer Immobilienmarkt und die Gesellschaft.

Hier ist ein Management Summary des Coliving Reports 2025 in 10 Sätzen:

  1. Coliving hat sich als anerkannte und wachsende Anlageklasse im Immobilienmarkt etabliert, mit 53% der Betreiber, die einen Umsatz von über 3 Millionen Euro erreichen.
  2. Der Sektor verzeichnet ein starkes Wachstum mit einer durchschnittlichen Rendite von 10% und einer Belegungsrate von 93%.
  3. Es gibt einen Trend zu größeren Entwicklungen mit 100-500+ Einheiten, wobei 43% der befragten Betreiber über 500 Einheiten verwalten.
  4. Die Branche entwickelt sich in Richtung vermögensintensiver Modelle, wobei Betreiber zunehmend Immobilien erwerben oder langfristig mieten.
  5. Führende Coliving-Unternehmen expandieren international und übertragen bewährte Konzepte auf neue Märkte.
  6. Es entstehen spezialisierte Nischen wie Coliving für Studenten, Senioren oder in ländlichen Gebieten.
  7. Institutionelle Investoren zeigen verstärktes Interesse, was die Legitimität des Sektors unterstreicht.
  8. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Bewohner beträgt 13 Monate, was auf eine wachsende Akzeptanz als langfristige Wohnlösung hindeutet.
  9. Regulatorische Rahmenbedingungen entwickeln sich in vielen Städten, was die Planung und Entwicklung von Coliving-Projekten erleichtert.
  10. Trotz einiger Herausforderungen wie Überangebot in bestimmten Märkten zeigt der Sektor insgesamt eine positive Entwicklung mit Potenzial für weiteres Wachstum.

About Lorenz Ramseyer

Lorenz Ramseyer is a Remote Work Consultant and President of the Swiss Digital Nomads Association. He has been intensively involved with the concept of location-independent working since 2006 and today supports teams in successfully switching from the office to hybrid or remote work. Ramseyer originally trained as a teacher and later trained as an IT project manager. He holds an MAS in Social Informatics and is Managing Director of the remote work agency BERGSPITZ media. He offers strategy workshops on remote work, holds keynote speeches on the future of work and is a guest lecturer at various universities. Founder of: Agentur für Remote Work Remote Work Jobs Remote Work Skills Coliving Switzerland Digitale Nomaden Schweiz

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